Durchfall beim Hund – was ist da los?

Futter, Tipps & Erste Hilfe! Ein Ratgeber für Hundehalter

Durchfall beim Hund gehört zu den häufigsten Verdauungsproblemen und kann viele unterschiedliche Ursachen haben – von harmlosen Futterunverträglichkeiten bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Durchfall beim Hund erkennst, welche Ursachen dahinterstecken können und welche Maßnahmen zur Ersten Hilfe bei der Fütterung sinnvoll sind.

Durchfall beim Hund – was ist da los?

Durchfall ist nach Definition der Absatz von weichem, ungeformtem Kot mit erhöhtem Volumen und Wassergehalt und / oder erhöhter Kotabsatzfrequenz.

Wenn dieser für länger als 24-48 Stunden andauert wird er als akuter Durchfall eingestuft, für länger als 2 Wochen gilt es als chronischer Durchfall.

Es wird unterschieden zwischen mildem, stärkerem und schwerem Durchfall.

Bei mildem Durchfall wird 3-4-mal täglich erhöhter, weicherer Kot abgesetzt, Hund wirkt sonst gesund.

Bei starkem Durchfall wird mehr als 6-mal täglich mehr und wässriger Kot abgesetzt, das Allgemeinbefinden kann leicht beeinträchtigt sein.

Bei schwerem Durchfall enthält der Kot große Mengen Blut, das Allgemeinbefinden ist schlecht und das Tier ist stark dehydriert.

Manche Hunde haben von Natur aus weicheren oder häufigeren Kot. Von „Durchfall“ spricht man erst, wenn Konsistenz und Häufigkeit vom persönlichen Normalzustand abweichen.

Weitere Auffälligkeiten auf dem Kot:

Blutbeimengungen:

  • rotgefärbt von Blut: stärkere Dickdarmblutung
  • schwarzgefärbt von verdautem Blut: Blutung im oberen Verdauungstrakt

Schleim:

  • klar:             geringgradige Beimengung klaren Schleims normal
  • weiß:           Futterumstellung, Futterunverträglichkeiten, verdorbenes Futter,

fettige oder kohlenhydratreiche Ernährung

  • gelblich:    Entzündungen, Infektionen

Auffällig stinkender Geruch: Infektions- oder Verdauungsschwächeanzeichen, Giardien

Öliger, fettiger Glanz: Hinweis auf zu fettreiche Nahrung, Störung der Fettverdauung

Warum der Kot plötzlich „flüssig“ wird

Aber warum wird der Kot plötzlich flüssig, das kann ganz viele unterschiedliche Ursachen haben, was die Ursachenfindung natürlich auch komplizieren kann.

Mögliche Auslöser:

  • Futtermittelvergiftung, Futterumstellung, Futtermittelunverträglichkeiten und
    -allergien, Aufnahme von Unrat
  • Infektionen, vor allem viral und parasitär bedingt
  • Darmentzündungen
  • Vergiftungen
  • Dysbiose
  • Medikamente, z. B. Antibiotika
  • Erkrankungen anderer Organe, v. a. von Pankreas, Herz, Leber, Niere
  • psychogener Reizdarm
  • etc.

Plötzlich auftretende Durchfälle ohne Begleitsymptome sprechen meist gut auf Schonkost an.

Bei schweren oder chronischen Fällen ist meist eine Unterstützung der Ursache nötig ggfs. auch eine Ausschlussdiät.

Futter, Tipps & Erste Hilfe

Der wichtigste Schritt bei Durchfall ist zuerst das Fasten, dies kann man bis zu 24h durchziehen. Gib dem Körper Zeit!

Dies lindert den Durchfall und hilft die geschädigte Schleimhaut zu beruhigen.

Dadurch reduziert man die Nahrungsgrundlage für die Bakterien und unterstützt die reinigende Funktion des Durchfalls.

In dieser Zeit ist auch ausreichend Flüssigkeit und Ruhe und Schonung enorm wichtig.

Nach dem Fasten kann wieder vorsichtig angefüttert werden, dabei sollte man jedoch auf leichtverdauliche Schonkost (mageres Muskelfleisch und Gemüse) achten.

Bindegewebsreiches Fleisch sollte gemieden werden.

Die Morosche Karottensuppe ist hier durch ihre antibiotische Wirkung eine gute Alternative zum Gemüseanteil.

Falls die Schonkost länger als 2–3 Tage benötigt wird, können bei sehr dünnen Hunden Kohlenhydratquellen als Energiequelle eingesetzt werden.

  • Gut geeignet sind hier geschälter, weichgekochter Reis, Hirseflocken oder Quinoa.
  • Gekochte Kohlenhydratquellen können bis zu 30 % der Ration ausmachen.

Auf Nährstoffsupplemente (Knochenmehl, Öl etc.) kann bei Durchfall für einige Tage bis wenige Wochen, verzichtet werden.

Das Konzept des Opferproteins

Bei Hunden, die zu Allergien neigen oder Tieren mit chronischen Darmerkrankungen besteht ein hohes Risiko, dass sich neue Allergien entwickeln.

Damit sich diese Allergie nicht gegen die normalerweise gefütterte Proteinquelle richtet kann man bei schweren Durchfällen ein sogenanntes Opferprotein einsetzen.

Dieses opfert man sozusagen damit der Hund im schlimmsten Fall dann auf diese Proteinquelle allergisch ist und nicht auf die normalerweise genutzte Nahrung.

Dafür muss man schnell nach eintreten des Durchfalls allerdings auf das Opferprotein wechseln.

Als Opferprotein eignen sich Futtertierarten, die der Halter ohnehin nicht regelmäßig verfüttern würde wie z. b. Exoten wie Krokodil, Kamel oder Strauß. Auch Fischarten, die in BARF-Rationen üblicherweise nicht vorkommen (z. B. Kabeljau, Seelachs, Pangasius), sind mögliche Opferproteine.

Im Gegensatz zu Exoten sind diese auch auf die Schnelle in Supermärkten erhältlich.

Nach Abklingen des Durchfalls kann wieder auf die gewohnten Proteinquelle umgestellt werden.

Ob sich tatsächlich eine Allergie auf das Opferprotein ausgebildet hat, kann man durch einen Provokationstest überprüfen.

Treten dabei Allergiesymptome auf, muss für den nächsten Durchfall ein anderes Opferprotein genutzt werden.

Die Umstellung auf Schonkost sollte unkomplizierte Durchfälle innerhalb weniger Tage bessern. Bei andauernden Beschwerden sollte man die Ursache abklären und ggf. eine gezielte therapeutische und diätetische Begleitung einleiten.

Rezepte:

Rezept Morosche Möhrensuppe

Zutaten:

500 g   Karotten

1 l          Wasser (oder magere Fleischbrühe)

1 TL      Salz

Zubereitung:

Karotten schälen, klein schneiden und in 1 l Wasser kochen. Die Karotten für 1 ½ – 2 Stunden köcheln lassen. Anschließend die Karotten pürieren, und alles auf 1 l aufgießen und Salz hinzugeben. Die Konsistenz sollte leicht cremig und nicht zu wässrig sein.

Verabreichung:

ca. 125 ml pro 5 Kilogramm Körpermenge pro Tag

Wirkung:

Durch die lange Kochzeit bilden sich Oligosaccharide, welche sich an die Darmwand haften und die Anhaftung von Krankheitserregern verhindern. Dadurch werden diese schneller wieder über den Kot ausgeschieden.

Rezept Leinsamenschleim

Zutaten:

10g       Leinsamen oder Flohsamen

150ml Wasser

Zubereitung:

Samen mit warmem Wasser für 30 min quellen lassen, danach abseihen

Verabreichung:

Schleim je nach Größe des Hundes von 2–7 g Samen pro Tag

Rezept Reiscongee

Zutaten:

15g       Reis

150ml Wasser

Zubereitung:

Wasser in einem Topf zum Kochen bringen, den Reis zufügen und auf niedrigster Stufe ca. 4 Stunden köcheln lassen, bis einen dickflüssigen Brei entstanden ist.

Verabreichung:

Je nach Größe 1–2 Tassen/Tag oder bis zu1/3 der Futterration.

Rezept Haferschleim

Zutaten:

30 g      zarte, glutenfreie Haferflocken

150 ml Wasser

Zubereitung:

Haferflocken auf niedriger Stufe köcheln, bis sie eine schleimige Konsistenz erreichen.

Verabreichung:

Je nach Größe 1–2 Tassen/Tag oder bis zu1/3 der Futterration.

Slippery Elm Bark

Zubereitung:

5g Pulver mit ca 100ml kaltem Wasser zu einem Schleim anrühren

Verabreichung:

ca. 75-150 ml pro 5 Kilogramm Körpermenge pro Tag

Was wenn nichts hilft?

Bei andauernden Beschwerden sollte man die Ursache abklären und ggf. eine gezielte therapeutische und diätetische Begleitung einleiten.

Sollten die oberen Maßnahmen nicht helfen und du benötigst Unterstützung, kannst du jederzeit eines meiner Angebote buchen – gemeinsam finden wir eine Lösung.

Wann man lieber den Tierarzt ruft

Sollte der Durchfall nicht besser werden oder in kurzer Zeit eine hohe Menge an Kot abgesetzt werden besteht ein Notfall.

Auch wenn größere Mengen Blut im Kot zu finden sind sollte man besser einen Tierarzt aufsuchen.

Schwere Begleitsymptome wie, Kreislaufstörungen, ausgeprägte Schwäche, Fieber/ Untertemperatur oder Verhaltensveränderungen und hochfrequentes Erbrechen sind ebenso Zeichen eines Notfalls.

Bei Welpen und sehr alten oder sehr kranken Hunden sollte vorsichtshalber vor extremer Verschlechterung der Symptome bereits ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Bei schwerem Durchfall besteht die Gefahr von Dehydration, Elektrolytverluste, Säure-Basen-Störungen, Unterzucker, Kreislaufschock durch Dehydrierung/Blutverlust, Ödeme.

Ursachen akuten Durchfalls einfache Sachen wie Aufnahme von Unverträglichem Sachen sein, aber auch Notfall-Ursachen wie Vergiftung, Fremdkörper, schwere Infektion, Teil-Darmobstruktion mit paradoxem Durchfall, akute, schwere Verschlimmerung einer chronischen Enteropathie, akute schwere Pankreatitis, Diabetische oder Addison-Krise, akutes Herz-/Leber-/Nierenversagen.

Es ist immer besser auf Nummer sicher zu gehen und die Ursachen von einem Tierarzt abklären zu lassen!